Allergen-Immuntherapie
Die Allergen-Immuntherapie (AIT), auch spezifische Immuntherapie oder Hyposensibilisierung genannt, wird bei den sogenannten Allergien vom Soforttyp angewandt. Allergien vom Soforttyp oder auch Typ-I-Allergien oder IgE-vermittelte Allergien bezeichnet, sind die häufigste Form von Allergien. Die Auslöser sind vielfältig, wie Pollen, Haustaubmilben, Tierhaare, und Medikamente.
Indikationen sind meist Allergien gegen Hausstaubmilben oder Pollen, wenn die Behandlung mit Antihistaminika nicht mehr ausreicht oder sich ein beginnender Etagenwechsel abzeichnet – der Heuschnupfen also beginnt, sich in ein allergisches Asthma umzuwandeln. Eine weitere wichtige Indikation sind die lebensbedrohlichen Allergien gegen Wespen- und Bienengift.
Bei der Allergen-Immuntherapie wird durch eine Immunmodulation eine Toleranz des Körpers gegen das zu applizierende Allergen induziert.
Es gibt zwei Möglichkeiten dieser Behandlung.
Die eine erfolgt mit Injektionen, die sogenannte SCIT, die subkutane Immuntherapie. Das Allergen wird zunächst in steigender Dosierung in wöchentlichen Abständen bis zum Erreichen der Höchstdosis unter die Haut injiziert, meist am Oberarm. Diese Höchstdosis stellt dann auch die Erhaltungsdosis dar. Die Injektionsabstände werden anschliessend sukzessive auf bis zu vier Wochen erhöht. In diesem Stadium kann die Therapie auf Wunsch des Patienten auch beim Hausarzt fortgeführt werden. Nach jeder Injektion muss der Patient eine halbe Stunde zur Beobachtung in der Praxis verbleiben, um die Verträglichkeit der verabreichten Injektion zu überwachen.
Die andere Möglichkeit ist die orale Therapie, die sogenannte SLIT, die sublinguale Immuntherapie. Hierbei werden Tropfen oder sogenannte Schmelztabletten, die rasch im Mund zergehen, unter der Zunge aufgebracht, da sich hier ein dichtes Gefässnetz direkt unter der Schleimhaut befindet, welches eine rasche Resorption ermöglicht. Diese Behandlung erfolgt täglich.
Die Behandlung dauert im Allgemeinen drei Jahre. Bei Insektengiftallergien können es auch fünf Jahre sein; bei gewissen Patientengruppen ist auch eine lebenslange Behandlung erforderlich. Für die Allergie gegen Bienen- und Wespengift steht bislang nur die subkutane Immuntherapie als Therapiemöglichkeit zur Wahl.
Welche Behandlungsart für welchen Patienten in Frage kommt, muss gemeinsam mit diesem unter Berücksichtigung der individuellen Lebensumstände, möglicher Begleiterkrankungen sowie der zu erwartenden Nebenwirkungen entschieden werden.
Vor jeder Allergen-Immuntherapie muss ein Kostengutsprachegesuch an die jeweilige Krankenkasse gestellt werden.