Haarerkrankungen: Differenzierte Diagnostik und moderne Therapieansätze

Haarerkrankungen sind sehr vielfältig. Sie können zu Haarausfall, Haarverlust, und Kopfhautprobleme (Juckreiz, Schuppen, Schuppen, oder Rötungen) verursachen. Die Ursachen können vielfaltig sein: von genetischen Faktoren, Stress, hormonellen Schwankungen, bis hin zu Autoimmunerkrankungen, Infektionen und äusseren Einflüssen wie Haarstyling reichen.

Lokalisierte oder diffuse Haarausfälle, auch Alopezien bezeichnet, stellen ein heterogenes Krankheitsbild mit manchmal einer erheblichen psychosozialen Belastung dar. Die korrekte Evaluation einer Alopezie ist sehr wichtig und umfasst eine detaillierte Anamnese und medizinische Untersuchung. Gegebenenfalls sind auch diagnostischen Verfahren (wie ein Trichogramm, eine Hautstanze) und Blutuntersuchungen (z.B. Analysder Schilddrüsenfunktionon, der Eisenreserve, und oder Bestimmung der Hormone) hilfreich oder notwendig, um die Ursache genau zu identifizieren.

Eine Differenzierung zwischen nicht vernarbenden (zum Beispiel, androgenetische Alopezie, telogenes Effluvium, Alopecia areata,) und vernarbenden Formen (zum Beispiel. Lichen planopilaris und frontal fibrosierende Alopezie) ist essenziell, da nur erstere potenziell reversibel sind und um die notwendigen Behandlungsoptionen zu bestimmen.

Die Basis der Abklärung bilden die klinische Untersuchung und die Trichoskopie mittels manueller oder digitaler Dermatoskopie. Ergänzend kann ein digitales Trichogramm (Tricoscale®) durchgeführt werden, das Parameter wie Anagen (Haare, die wachsen) -/Telogen (Haare, die ausfallen)-Quotient, Haardichte und Follikel-Zahl analysiert.

Hierfür werden zwei Termine im Abstand von 48 Stunden benötigt; ein münzengrosses Areal wird zunächst rasiert und anschliessend gefärbt, bevor die Software die Daten digital auswertet.

Bei unklaren oder vernarbenden Alopezien ist zusätzlich eine Punch-Biopsie in Wuchsrichtung der Haare indiziert, idealerweise vom aktiven Rand der Läsion, um repräsentatives Material zu gewinnen.

Alopecia areata (AA)

Autoimmun bedingte, nicht vernarbende Alopezie mit umschriebenen, haarlosen Arealen. Assoziationen mit anderen Autoimmunerkrankungen (Thyreoiditis, Zöliakie) sind häufig.

Trichoskopisch finden sich Exclamation mark hairs und später yellow dots. keine entzündliche Komponente.

Therapie: bei lokalisierten Formen intralesionale oder topische Kortikosteroide; bei rasch progredienten oder ausgedehnten Verläufen systemische Steroide, Ciclosporin, Methotrexat oder JAK-Inhibitoren (off label) unter engmaschiger Kontrolle.

 

Androgenetische Alopezie (AGA)

Hormonell-genetisch bedingter, nicht vernarbender Haarausfall mit fronto-parietalem Muster (Männer: Norwood-Hamilton, Frauen: Ludwig). Trichoskopisch: Miniaturisierung der Follikel, verminderte Haardichte, Reduktion der terminalen Haare pro Follikeleinheit.

Therapie: topisches Minoxidil 5 %, topisches Finasterid (off label); systemisch Finasterid 1 mg/d oder Dutasterid 0.5 mg/d (off label), bei Frauen nach Menopause auch Spironolacton. Ergänzend PRP (platelet-rich plasma) als stimulierende Zusatztherapie.

 

Telogenes Effluvium (TE)

Diffuser Haarausfall 2–4 Monate nach einem Trigger (Operation, Crash-Diät, Infekt, Stress, Hormonveränderung, post partum, Anämie).

Therapie: kausale Behandlung, Optimierung der Mikronährstoffe (Ferritin, Vitamin D, B12, Zink), ggf. unterstützend topisches oder niedrig dosiertes orales Minoxidil sowie PRP.

 

Lichen planopilaris (LPP) und frontal fibrosierende Alopezie (FFA)

Vernarbende Alopezien mit entzündlicher Follikeldestruktion.

Klinisch: perifollikuläre Rötung und Schuppung, glänzende atrophe Areale. FFA zeigt typischerweise ein langsames Zurückweichen der fronto-temporalen Haarlinie, häufig mit Verlust der Augenbrauen und in Einzelfällen der Bart- oder Körperhaare. Typisch sind noch lonely hairs, verbleibende einzelne Haare in Atrophie Zonen.

Trichoskopisch: perifollikuläre Hyperkeratosen, erythematöser Saum, Verlust der Follikelöffnungen.

Lokal: potente Kortikosteroid-Tinkturen (z. B. Triamcinolon 0.2 %, Betamethason, Clobetasol), Calcineurin-Inhibitoren.

Intraläsional: Triamcinolon-Acetonid-Injektionen (begrenzter Erfolg).

Systemisch: Hydroxychloroquin, Retinoide (Acitretin), Finasterid oder Dutasterid (off label, v.a. postmenopausal).

Ziel ist die Krankheitsstabilisierung, da bereits vernarbte Areale irreversibel sind.

Acne keloidalis nuchae (AKN)

Chronisch-entzündliche, vernarbende Follikulitis im Nacken- und Okzipitalbereich, v. a. bei Männern mit dichtem, krausem Haar.

Trichoskopisch zeigen sich Pusteln, perifollikuläre Papeln und teils keloidartige Plaques.

Ätiologisch werden mechanische Reize (Rasur, Reibung), androgenabhängige Faktoren und bakterielle Superinfektionen diskutiert.

Therapie: Reduktion mechanischer Irritation, antiseptische Waschungen, topische und intraläsionale Kortikosteroide, bei Bedarf systemische Tetracycline oder Isotretinoin. In chronisch fibrosierten Stadien bei ausgewählten Fällen kann eine chirurgische Exzision, intraoperative Kryochirurgie, Radiotherapie oder Laserablation indiziert sein.

 

Tinea capitis

Infektiöse, meist durch Trichophyton oder Microsporum-Arten verursachte Mykose der Kopfhaut, v. a. bei Kindern.

Klinisch zeigen sich schuppende, haarlose Herde mit abgebrochenen Haarstümpfen; bei T. tonsurans oft black dots, bei M. canis graue Schuppung.

Trichoskopisch sind comma hairs, corkscrew hairs und morse code hairs charakteristisch.

Therapie: systemische Antimykotika je nach Erreger (z. B. Terbinafin) über 4–8 Wochen; zusätzlich antimykotische Shampoos (Ketoconazol, Ciclopirox) zur Reduktion der Sporenübertragung.

Mehrwert für Patient:innen und Zuweiser:innen / Abschluss

Eine rasche und gezielte Abklärung ermöglicht es, fortschreitende oder irreversible Follikelschäden frühzeitig zu verhindern. Die Diagnostik erfolgt strukturiert und bildgestützt, gefolgt von einer evidenzbasierten, individuell abgestimmten Therapie, bei Bedarf auch mit innovativen, aber leitliniengerechten Off-Label-Ansätzen.

Bei komplexen oder chronischen Formen steht eine interdisziplinäre Betreuung im Vordergrund, um sowohl funktionell als auch ästhetisch ein optimales Ergebnis für die Patient:innen zu